Hessische Meisterschaften im Straßengehen in Biberach (Baden)
  20.10.2020 •     Leistungssport


Am Sonntag wurden in vier Altersklassen neue hessische Meister gekürt. Die Vorlage eines negativen Corona-Tests galt als Startberechtigung.

Die Hessischen Meisterschaften im Straßengehen wurden auch in diesem Jahr wieder traditionell im Rahmen der Badischen und Schwäbischen Titelkämpfe in Biberach im Schwarzwald ausgetragen. Mehrere Städte und Landkreise in Hessen waren kurzfristig zu Corona-Risikogebieten erklärt worden, weshalb unter anderem auch die hessischen Teilnehmer einen maximal 48 Stunden alten, negativen Corona-Test vorlegen mussten. Bedingt durch diesen zeitlichen und monetären Aufwand, blieben leider etliche angemeldete Startplätze frei.

Jens Grünberg, Stützpunkttrainer in Frankfurt meint dazu: „Dass die Entwicklung der Corona-Pandemie regelmäßig beurteilt und mit entsprechenden Maßnahmen belegt wird, ist absolut verständlich und nachvollziehbar, jedoch aus Zeit- und Geldgründen für viele Sportler nicht umsetzbar. Diese Entwicklung gilt es im Auge zu behalten.“

Dennoch starteten im Nachwuchsbereich mehr Athleten als in den vergangenen Jahren. „Man merkt deutlich, dass beim HLV am Bundesstützpunkt in Frankfurt jetzt wieder ein Trainingsangebot für das sportliche Gehen existiert“, erklärt Stützpunkttrainer Niklas Richter beim Blick auf die Meldeliste. Neben Gehern aus Frankfurt hatten auch Talente aus Steinberg und Lauterbach in Mittelhessen gemeldet.

Gleich im ersten Wettkampf des Tages, dem 1-km-Gehen der U12, sicherte sich Luise Brzoska (SG Frankfurt-Nied) in ihrem Debüt-Wettkampf in einer hervorragenden Zeit von 5:58 Minuten den Tagessieg. Die Frankfurterin konnte sogar einige Jungs aus der höheren Altersklasse hinter sich lassen. „Ein toller Einstieg für Luise, die ja erst im Spätsommer mit dem Gehen angefangen hat“, kommentiert Jens Grünberg das Ergebnis. „Eine Zeit unter sechs Minuten ist bisher in Deutschland nur von wenigen Mädchen in dieser Altersklasse erreicht worden.“ Die zweite Athletin aus der Frankfurter Trainingsgruppe, Tessa Machinchiek vom MTV Kronberg Leichtathletik, verletzte sich leider während ihres ersten Geh-Wettkampfes am Knie, sodass sie ihren Wettkampf nicht wie geplant beenden konnte.

Im 3-km-Gehen der Altersklasse U16 konnte sich die Favoritin Tabea Kiefer nach ihrem hessischen Meistertitel in der Halle nun auch den Titel auf der Straße sichern. Für die Athletin des SC Steinberg, die am Bundesstützpunkt Frankfurt trainiert, blieb die Uhr nach 16:58 Minuten stehen. Mit dieser Zeit ist die U16-Athletin bereits jetzt für die Deutschen Jugend-Meisterschaften in der U20 in der kommenden Hallensaison qualifiziert. Anna-Maria Gabriel von der LG Eintracht Frankfurt sicherte sich in 18:25 Minuten die Silbermedaille und drückte dabei ihren Hausrekord über eine Minute. Als mit Abstand jüngster Starter im 3-km-Wettkampf ging Felix Schmidt vom TV Lauterbach in seinen ersten 3-km-Wettkampf, den er nach 26:31 Minuten erfolgreich abschloss. Der Zwölfjährige wurde für die Teilnahme extra in die höhere Altersklasse M14 hochgemeldet, sodass er sich ebenfalls mit diesem Ergebnis über den hessischen Meistertitel freuen kann.

Über die 5 Kilometer, dem Wettkampf mit der höchsten Gesamtteilnehmerzahl, trugen sich frei hessische Starterinnen in die Ergebnisliste ein. Auf dem 5. Platz erreichte Brigitte Patrzalek vom TV Groß-Gerau das Ziel in 33:04 Minuten, wodurch sie sich den 2. Rang in ihrer Altersklasse, der W60, sichern konnte. Als Gesamtsiebte erreichte Monika Müller (TV Groß-Gerau) das Ziel in 33:49 Minuten, was ihr den Sieg in ihrer Altersklasse (W55) und somit auch den hessischen Meistertitel einbrachte. Direkt hintereinander, auf den Plätzen zehn, elf und zwölf, gingen drei weitere Starterinnen aus Hessen ins Ziel. Zum einen Ursula Klink, ebenfalls vom TV Groß-Gerau, die in 36:12 Minuten den Tagessieg in der W75 einfahren konnte. Ihr folgt Heidrun Neidel von der TSG Leihgestern, Ehrennadelträgerin ihrer Heimatstadt Linden, die sich in 39:14 Minuten den Sieg in ihrer Altersklasse (W70) sicherte. Auf Platz 12 geht Lara Schmidt vom TV Lauterbach ins Ziel, die in ihrem ersten 5-km-Wettbewerb in 40:26 Minuten das Ziel erreichte. Damit krönte sie sich zur neuen hessischen U18-Meisterin und belegte den zweiten Platz in ihrer Altersklasse im Gesamtteilnehmerfeld.

Die Veranstaltung war auch dieses Mal wieder hochkarätig besetzt. Den hochklassigen Hauptwettkampf über die 20 Kilometer der Männer entschied Leo Köpp von der LG Nord Berlin in neuer persönlicher Bestzeit von 1:22:20 Stunden für sich. Der U20-Europacupsieger aus dem Jahr 2017 zeigte sich damit auf einem guten Weg zur Olympia-Norm für Tokio 2021 (1:21:00h). Nathaniel Seiler (TV Bühlertal), EM-Achter über die 50 Kilometer von Berlin 2018 und Carl Dohmann (SCL Heel Baden-Baden), Teilnehmer bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 und WM-Siebter über die 50 Kilometer von Doha, absolvierten einen Trainingswettkampf und komplettierten das Podium. Ein Hesse ließ es sich nicht nehmen, ebenfalls an der längsten angebotenen Strecke des Tages teilzunehmen. Joachim Bauer vom LTV Neukirchen ging als zweitältester Teilnehmer dieses Wettkampfes ins Rennen und beendete die 20km Distanz nach 2:38:06 Stunden, was ihm den 2. Platz in seiner Altersklasse, der M70, bescherte.

Rückblickend auf die Saison 2020 ist eine positive Entwicklung im hessischen Gehsport zu erkennen. Nachdem Frankfurt bereits in den 1960er bis 1980er Jahren die Position einer absoluten Gehsport-Hochburg mit sehr bekannten Namen wie Hans Michalski und Bernhard Nermerich bekleidete, ist allmählich der Wiedereinzug der Disziplin in das leichtathletische Geschehen der Sportfeste und Landesmeisterschaften zu vernehmen. Die Trainingsgruppe am BSP Frankfurt, die ein bis zwei Mal wöchentlich ein Spezialtraining anbietet, konnte ihre Gruppengröße von drei Personen zu Beginn dieses Jahres auf bereits sieben Personen im Herbst erhöhen. Als besonderes Highlight für zwei Athletinnen der Gruppe stand in diesem Herbst bereits die erste Einladung der Nachwuchsbundestrainerin und die damit verbundene Bundeskadersichtung für den nächsten Kaderzyklus an. Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung des Gehens in Mittelhessen. In Lauterbach, beim ortsansässigen TV Lauterbach, hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls eine kleine Trainingsgruppe entwickelt, die selbstständig dort das Gehen fördert und voranbringt. Insgesamt lässt diese quantitative, jedoch auch qualitative Entwicklung des Gehsports in Hessen positive Ausblicke auf die nächste Saison zu.


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